Artikel auf tsüri.ch

gemuese statt luxus
Gentrifizierung im Bauernhaus

Selbstversorger – Eine Kommune am Stadtrand kämpft ums Überleben

Petitionseinreichung

Über 1000 Menschen haben unsere Petition unterschrieben und uns so unterstützt im Kampf um unser Zuhause. Die Stadt plant schon nächstes Jahr mit der teuren Totalsanierung zu beginnen, was das Aus von unseren Projekten und unserem Heim bedeuten würde. Es bleibt ein kleiner Hoffnungsschimmer: Durch eine sanfte substanzerhaltende Renovation könnte die ursprüngliche Lebensweise erhalten bleiben, so dass auch der Garten und die gemeinschaftlichen Aktivitäten rund ums Haus gesichert wären.

Mit Musik und Kuchen haben wir die Petition nun dem Stadtrat übergeben.

sf

Die offizielle Antwort steht noch aus, Herr Leupi hat jedenfalls die Unterschriften, unser Dossier und einen Korb mit Gemüse entgegengenommen.

kh

Artikel auf vice

Ich war bei den Zürcher Hippies, deren Haus zwangsaufgemotzt werden soll

Original-Artikel: http://www.vice.com/alps/read/ich-war-bei-den-zuercher-hippies-deren-haus-zwangsaufgemotzt-werden-soll394?utm_source=vicefbalps

Von Sascha Britsko

August 19, 2015

Sie wohnen zwischen den millionenschweren Züri-Villas im Kreis 7 und verfolgen die Idee von einem humanen und friedlichen Leben. Sie sehen aus wie du und ich. Der grosse Unterscheid ist aber, dass sie ihr Glück nicht von bürgerlichen Werten und den entsprechenden Wohlstandsidealen abhängig machen, sondern barfuss herumlaufen, ihr eigenes Essen in ihrem eigenen Garten anbauen und sich (so gut es eben möglich ist) der Konsummühle unserer Gesellschaft entziehen.

Jetzt ist aber das Leben, so wie diese Freidenker es führen, bedroht: Da das Haus, in dem sie wohnen, baufällig ist, will die Stadt Zürich es zwangsrenovierten lassen. Aus finanziellen Gründen könnten sie sich das Leben in dem renovierten Haus dann nicht mehr leisten. Ich habe die betroffenen Selbstversorger besucht und mir angehört, wie sie gegen die Zwangsaufmotzung ihres Zuhauses ankämpfen.

Unscheinbar aber doch riesig steht das alte Bauernhaus der zehn Studenten und selbsternannten Hippies inmitten prächtiger Neubauten da. Drei Mal verlief ich mich, bis ich endlich den leicht versteckten Eingang des Hauses am Burenweg 28 in Witikon gefunden habe.

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Alle Fotos von der Autorin

Ein Leben an einer solch phänomenalen Lage könnten sich die sechs bis zehn (je nachdem wie viele gerade im Land sind) spärlich verdienenden Studenten theoretisch niemals leisten, wäre da nicht die Organisation Jugendwohnnetz. „Das Haus gehört eigentlich der Stadt, wird aber von der JUWO an Studenten und Jugendliche zu einem günstigen Preis untervermietet“, erklärt mir Livio, einer der Selbstversorger.

Aus dem einst bunten Haufen Studenten ist längst eine Genossenschaft geworden. Ihr Name KuRt—Kraut und Rüben teilen—ist dabei Programm: Das Gartenprojekt, bei dem nach ökologischen Grundsätzen angebaut wird, steht für alle Interessenten offen. „Wir bauen vor allem Kräuter und Gemüse in unseren zwei Gärten an. Manchmal auch Kartoffeln und Getreide.“, erzählt er weiter. „Natürlich lehnen wir Technik nicht gänzlich ab, das wäre ja auch in der heutigen Zeit gar nicht möglich. Aber wir versuchen, unseren Konsum auf ein Minimum zu reduzieren.“, fährt Livio fort. Da das Selbstversorgen einer Zehnköpfigen Gruppe viel Aufwand und Zeitinvestition bedeuten, studieren oder arbeiten die Bewohner des alten Bauernhauses alle nur Teilzeit. Täglich müssen nämlich zwei von ihnen die Gärten hüten.

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Und so hätte ihr Leben auch weitergehen können. Doch wie das mit alten Bauernhäusern so ist, müssen sie früher oder später restauriert werden, da sie ansonsten in sich zusammenfallen. „Das Fundament ist morsch und das Dach lässt durch. Beides muss dringend erneuert werden“, sehen auch die Selbstversorger ein.


Das hat die Stadt Zürich auch vor, und zwar im grossen Stil: Da das Haus über 400 Jahre alt ist, steht es unter Denkmalschutz. Nichtsdestotrotz möchte die Stadt es von Kopf bis Fuss „auf Vordermann“ bringen. „Die Miete würde schneller in die Höhe schnellen, als dass wir „Selbstversorger“ sagen könnten“, witzelt Livio. Das Haus soll nach dem denkmalgerechten Umbau wiedervermietet werden. Nur würde es nicht mehr unter den Bedingungen der JUWO zur Miete stehen und wäre somit mit einem Studenteneinkommen nicht bezahlbar. Die Zürcher Stadt-Hippies wären also gezwungen ihr Selbstversorgerdasein aufzugeben.

Deshalb kämpfen die Bewohner jetzt dafür, dass ihr Haus lediglich substanzerhaltend umgebaut wird: Um gegen die Zwangsaufrüstung ihres Hauses vorzugehen, haben sie eine Petition lanciert und bereits eintausend Unterschriften für die nötige Rechtskräftigkeit gesammelt. Dabei geben sie auch eine Reihe von Gründen an, weshalb ihre Kommune einen echten Mehrwert für ihre direkte Umgebung bietet:

Sharing is caring

„Unser Garten ist ein Gemeinschaftsgarten. Jeder ist hier willkommen sein eigenes Gemüse anzupflanzen.“

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Aber nicht nur das: Sie hüten den Garten auch. Wer also nicht die Zeit hat, jeden Tag vorbeizukommen und seine Zucchini zu giessen, kann nach drei Monaten wiederkommen und sein von Hand gesätes Gemüse abholen. In einer Stadt wie Zürich, wo der Durchschnittsstudent ein 12 Quadratmeter Zimmer besitzt und sein Essen bei einem Grosshändler beziehen muss, von dem er nicht weiss, unter welchen Umständen es gezüchtet wurde, ist das eine einmalige Gelegenheit.

Alte Werte, alte Sitten

„Es ist doch viel geiler, einen persönlichen Bezug zu seinem Essen zu haben.“

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Eines der wichtigsten Dinge auf dieser Welt ist es, neues Wissen zu erlangen und weiterzugeben. Aber nicht nur das neueste Wissen ist das beste Wissen. Auch alte Bräuche und Werte sollten nicht verloren gehen. Früher gab es keine Grosskonzerne, die dir dein Essen gleichförmig und in bunten Verpackungen serviert haben und die Menschheit ist gut damit zurechtgekommen. Bei den Selbstversorgern können (Nachbars)Kinder nach Lust und Laune vorbeikommen und bei der Arbeit im Garten mithelfen. So bekommen sie einen Einblick in eine Welt, in der Kinder noch nicht dachten, dass die Milch aus dem Coop kommt.

Kinder- und familienfreundlich

„Die Kinder haben immer einen riesigen Spass!“

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Das Bauernhaus am Burenweg hat auch kulturellen Einfluss auf seine Umgebung: Wöchentlich finden hier verschiedene Anlässe für die ganze Nachbarschaft statt. Beispielweise kochen die Hippies jeden Donnerstag ein veganes Abendessen bei dem jeder willkommen ist. Regelmässig veranstalten sie auch Kinderfeste und Bastelstunden mit witzigen Aktivitäten wie Pizzabacken.

Eine Bereicherung für die Gemeinde

„Jeden Freitag meditieren wir gemeinsam und bieten immer wieder kostenlose Workshops an.“

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Soziale Durchmischung ist das A und O einer guten Gemeinde. Sei es ein Workshop über die Herstellung von Kräutersalbe, Konfitüre oder ein Gartenprojekt, bei dem jeder mit anpacken kann: Hier sind immer alle herzlich willkommen.

Gegen Windmühlen kämpfen

„Im September kommt unsere Petition vor den Stadtrat. Dort sehen wir eine kleine Chance das Umbau-Projekt zu stoppen“, erklärt mir Livio. Viel Hoffnung scheinen die Zürcher Selbstversorger aber trotzdem nicht mehr übrig zu haben. „Wenn wir ehrlich sind, sind unsere Bemühungen lediglich ein Tropfen auf den heissen Stein. Verhindern können wir den Umbau kaum, höchstens ihn hinauszögern.“, sieht Livio ein. „Wenn der Stadtrat die Petition anerkennt, wird die Stadt das Haus, da es ja ihr Eigentum ist, an den Höchstbietenden Züri-Geldsack verkaufen. Dieser wird die Restaurierung schliesslich aus eigener Tasche finanzieren. Dadurch bekommt die Stadt trotzdem den Profit und muss sich nicht mit lästigen Hippie-Studenten herumschlagen.“

Alles Weitere, das ihr über die Zürcher Hippies und ihr Haus wissen wollt, findet ihr hier.

Blick am Abend

Der Blick Am Abend kam uns besuchen:

Diese Hippies kämpfen gegen Zürich

„Die Stadt nimmt uns nicht ernst“

13.07.2015

Weil die Stadt hier neue Wohnungen baut, müssten Zürcher Hippies bald ihren Gemeinschaftsgarten aufgeben. Nun kämpfen sie dagegen an.

Cinzia Fischli und Philipp Amstutz am Burenweg 28 in Zürich-Wittikon. «Im Sommer sind wir Selbstversorger», sagt sie.
Cinzia Fischli und Philipp Amstutz am Burenweg 28 in Zürich-Wittikon. «Im Sommer sind wir Selbstversorger», sagt sie.
Cinzia Fischli trocknet auf dem Dachboden ihre Heilkräuter und stellt danach selber Salben her – auch als Workshop am Burenweg.
Cinzia Fischli trocknet auf dem Dachboden ihre Heilkräuter und stellt danach selber Salben her – auch als Workshop am Burenweg.
Die alte Küchenhexe funktioniert noch. Sie dient als Heizung und Kochherd in einem.
Einfaches Leben: Am Burenweg gibts keinen Luxus.
Wer im Gemeinschaftsgarten mit anpackt, der darf auch Gemüse mitnehmen. Besonders schön ist dabei die Aussicht auf den Zürichsee.
Ihr Zuhause ist bescheiden: Philipp Amstutz (29) und Cinzia Fischli (26) leben mit andern Alternativen am Burenweg in Witikon in einem alten Bauernhaus der Stadt Zürich, wo sie noch mit Holz heizen und auf einer alten Küchenhexe kochen. «Wir leben gerne so, auch wenn wir im Winter Holz hacken müssen», sagt Cinzia Fischli.

Ihr Problem: Die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Zürich will das dringend sanierungsbedürftige Haus umbauen, sodass der Lebensstandard um einiges steigen würde. «Ein Leben wie unseres wäre dann nicht mehr möglich. Etwas Vergleichbares fände man in der Stadt nirgends mehr», sagt Philipp Amstutz.

«Wir tun viel für das Quartier»

Besonders schade: Die Hippies aus der WG vom Burenweg betreiben einen Gemeinschaftsgarten. Den müssten sie dann wohl aufgeben. Philipp Amstutz: «Wir haben viele Kinder aus dem Quartier, die regelmässig mit anpacken. Der Garten ist zu einem Treffpunkt geworden.»

Jeden Donnerstag gibts am Burenweg auch eine «Küche für alle», ein veganes Abendessen mit Gemüse aus dem Garten. Zudem gibts am Burenweg Workshops – etwa wenn Cinzia Fischli zeigt, wie sie aus ihren Kräutern heilende Salben herstellt. «Das alte Wissen muss doch erhalten bleiben», meint sie. «Wir tun viel für das Quartier.»

Petition lanciert

Von der Stadt verlangen sie deshalb, nur eine werterhaltende Rennovation zu machen, und keine wertsteigernde – sodass sie bleiben könnten. «Aber die nehmen uns nicht ernst», sagt Philipp Amstutz. «Wenn die Architekten das Haus besichtigen, dann sagen sie respektlose Dinge.» Etwa als jemand entsetzt fragte, was denn das für ein schlimmes Badezimmer sei. «Da kommt warmes Wasser aus dem Hahn, was soll daran nicht gut sein?», fragt Amstutz.

670 Unterschriften für ihr Anliegen hat die WG nun gesammelt. Sobald es 1000 sind, wollen sie der Liegenschaftsverwaltung der Stadt ihre Petition überreichen.

Hier kann der ganze Artikel gelesen werden: http://www.blickamabend.ch/3966621

Erntezeit

Die Erntezeit hat begonnen 😀

Arbeit im Feld

Neben vielen verschiedenen Salatsorten sind die Brokkolis reif:

Brokkoli

Brokkoli

Die jungen Gurken sind am aufholen, grössere haben wir schon verspeist:

Gurken

Unsere erste Aubergine im Gewächshaus:

Aubergine

Die frühen Kartoffeln werden ausgegraben:

Kartoffel ausstechen

Kartoffel

Kartoffeln ernten

Mangold und bald auch Mais:

Krautstiel

Der Hafer braucht auch noch seine Zeit:

Hafer

Die hohen Tomaten und Gurken werden aufgebunden:

Tomaten aufbinden

Hausfest

Letzen Samstag haben wir zusammen mit „Bio für Jede“ unser Frühlingsfest gefeiert. Mit den ausgelassenen Besuchern genossen wir Tag und Nacht die wunderbare Stimmung hier am Burenweg!

Vielen Dank allen fürs Helfen und Feiern!

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20150530_201341_kleinSchwarzwurzeln aus unserem Keller mit „Bio für Jede“-Rüebli und -Peperoni für den Riesen-Risotto auf dem Ringbrenner.

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„Chrüsimusig“ liess die Hippies hüpfen und die Schüür beben.

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Gebannt bestaunten die Gäste die eindrückliche Feuershow.

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Unser Nachwuchsrapper überzeugte die Menge mit seinem Debutauftritt.